Off the record
Gedanken. Hintergründe. Wahrscheinliche und unbequeme Perspektiven.
Nicht alles, was relevant ist, schafft es in die Schlagzeilen. Und nicht alles, was Schlagzeilen macht, ist tatsächlich von Bedeutung. Oft lohnt es sich, genauer hinzuschauen, Zusammenhänge zu erkennen und Entwicklungen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Off the record ist die Rubrik von palmiracom für Beobachtungen, Gedanken und persönliche Einschätzungen zu Themen, die uns beschäftigen, bewegen oder einfach neugierig machen.
Medien, Kommunikation, Wirtschaft, Politik, Gesellschaft oder das alltägliche Leben – die Themen sind so vielfältig wie die Perspektiven darauf.
Qualitätsjournalismus in der Schweiz - wer interessiert sich heute noch und wer bezahlt dafür?
Eine Betrachtung der gesellschaftlichen, kulturellen und bildungsbezogenen Unterschiede im Schweizer Medienpublikum. Ein Exposé von Kurt Jürg Ebnöther.
Die Schweizer Medienlandschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten rasch und grundlegend verändert – und mit ihr die Menschen, die journalistische Inhalte konsumieren. Doch wer interessiert sich heute überhaupt noch für fundierte Berichterstattung, vertiefte Analysen und unabhängigen Qualitätsjournalismus? Welche Bevölkerungsgruppen schätzen diese Leistungen besonders, und wer ist bereit, dafür zu bezahlen?
Die Antworten sind vielschichtiger, als es die üblichen Unterscheidungen nach Alter oder Einkommen vermuten lassen. Gerade in der multikulturellen Schweiz mit Menschen aus 190 Nationen prägen unterschiedliche Herkunftsgeschichten, Sprachen, Bildungshintergründe und Medienkulturen das Informationsverhalten. Auch die schulische Ausbildung, berufliche Weiterbildung, persönliche Lernbereitschaft und Medienkompetenz beeinflussen, welchen Stellenwert journalistische Qualität im Alltag einnimmt.
Die folgenden Betrachtungen untersuchen diese Zusammenhänge, beleuchten unterschiedliche Zielgruppen und hinterfragen, weshalb professioneller Journalismus für manche Menschen unverzichtbar bleibt, während andere zunehmend auf kostenlose, schnell verfügbare und algorithmisch ausgewählte Informationsangebote zurückgreifen.
Dabei zeigt sich ein bemerkenswerter Widerspruch: Noch nie waren Informationen so umfassend und einfach zugänglich – doch das Interesse an ihrer vertieften Einordnung und die Bereitschaft, für journalistische Qualität zu bezahlen, sind höchst unterschiedlich ausgeprägt.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wer Qualitätsjournalismus heute noch liest, sondern auch, welche gesellschaftlichen Voraussetzungen darüber entscheiden, ob sein Wert überhaupt erkannt und geschätzt wird und ob die grossen, traditionellen Verlage längerfristig überleben werden.
Über den Autor – Kurt Jürg Ebnöther
Kurt Jürg Ebnöther (1963) begann seine berufliche Laufbahn als Radio- und Zeitungsjournalist, bevor er in die strategische Unternehmenskommunikation, zuerst auf Arbeitgeberseite, später auf Agenturseite wechselte. Seit 1999 führt er seine eigene Kommunikationsagentur relev palmiracom und berät Unternehmen, Verbände, die Schweizer Armee und Führungspersönlichkeiten in Fragen der Positionierung, Medienarbeit und Kommunikation. Seine Perspektiven verbinden journalistisches Handwerk, jahrzehntelange Praxiserfahrung und einen geschärften Blick für gesellschaftliche und mediale Entwicklungen.
Vom Informationsjournalismus zur Ökonomie der Aufmerksamkeit
Rasant wechselnde Herausforderungen seit 1959 bis heute. Ein Exposé von Kurt Jürg Ebnöther.
Die Schweizer Medienlandschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten tiefgreifend verändert. Was einst von klassischen Tageszeitungen, Radio und Fernsehen geprägt war, entwickelte sich über den Boulevardjournalismus, die Sonntags- und Gratiszeitungen sowie das Infotainment zu einer zunehmend digitalisierten, schnelllebigen und fragmentierten Informationswelt. Dabei veränderten sich nicht nur die journalistischen Inhalte und ihre Aufbereitung, sondern auch das Medienverhalten, die Erwartungen des Publikums und insbesondere die wirtschaftlichen Grundlagen einer ganzen Branche.
Mit dem Aufkommen kostenloser Nachrichtenangebote, sozialer Medien und globaler Technologieplattformen verlor die Information als eigenständiges Handelsgut zunehmend an monetärem Wert. Gleichzeitig wurde die Aufmerksamkeit des Publikums zur entscheidenden Währung im Wettbewerb um Reichweite und Werbeeinnahmen. Geschwindigkeit, Emotionalisierung der Bildsprache und mit Storytelling sowie attraktive Verpackung gewannen an Bedeutung, während die Finanzierung aufwendiger journalistischer Eigenleistungen immer schwieriger wurde.
Dieses mediengeschichtliche und medienökonomische Exposé zeichnet die Entwicklung der Schweizer Medienlandschaft von 1959 bis 2026 nach, beleuchtet die entscheidenden Wendepunkte und hinterfragt deren Auswirkungen auf journalistische Qualität, publizistische Vielfalt und wirtschaftliche Unabhängigkeit.
Es ist zugleich eine Betrachtung darüber, wie sich das Verhältnis zwischen Medien und Gesellschaft verändert hat – und weshalb ausgerechnet in einer Zeit nahezu unbegrenzter Informationsverfügbarkeit der Wert glaubwürdiger, unabhängiger und fundierter Berichterstattung neu definiert werden muss.
Über den Autor – Kurt Jürg Ebnöther
Kurt Jürg Ebnöther (1963) begann seine berufliche Laufbahn als Radio- und Zeitungsjournalist, bevor er in die strategische Unternehmenskommunikation, zuerst auf Arbeitgeberseite, später auf Agenturseite wechselte. Seit 1999 führt er seine eigene Kommunikationsagentur relev palmiracom und berät Unternehmen, Verbände, die Schweizer Armee und Führungspersönlichkeiten in Fragen der Positionierung, Medienarbeit und Kommunikation. Seine Perspektiven verbinden journalistisches Handwerk, jahrzehntelange Praxiserfahrung und einen geschärften Blick für gesellschaftliche und mediale Entwicklungen.
